Alzheimer verstehen - Risikofaktoren
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Heute ist klar: Eine Reihe von Risikofaktoren fördert die Entstehung von Alzheimer. Sie sind jedoch in der Regel nicht zu beeinflussen und bieten deshalb leider wenig Möglichkeiten, der Krankheit vorzubeugen. Dennoch ist es wichtig, sich bereits frühzeitig mit den Auslösern zu beschäftigen – auch im Hinblick auf künftig mögliche Fortschritte in der Forschung. Wie also entsteht Alzheimer? Und welche Rolle spielen Gene wie ApoE4?

Überblick: Wenn Alzheimer das Gehirn angreift

Die Alzheimer-Krankheit (medizinisch auch Morbus Alzheimer) ist eine tückische Erkrankung: Stück für Stück sorgt sie für einen Abbau von Nervenzellen und ihren Verbindungsstellen in der Großhirnrinde. Maßgeblich betroffen sind davon vor allem diejenigen Hirnareale, die sich mit Lernvorgängen, Erinnerungen, Denken und räumlicher Orientierung beschäftigen.
Verantwortlich scheinen in erster Linie zwei Prozesse zu sein:

  • Zum einen lassen sich in den betroffenen Gehirnzellen der Erkrankten sogenannte Amyloid Plaques und Tau-Fibrillen nachweisen. Bei Amyloid Plaques handelt es sich um Anhäufungen von Teilen eines Proteins, die der Körper sonst von selbst abbaut. Tau-Fibrillen bezeichnen Strukturen, die durch falsche Bildung eines speziellen, normalerweise funktionsfähigen Proteins (Tau-Protein) entstehen. Sie schaden sowohl dem Aufbau der Nervenzellen als auch deren Nährstoff-Transportsystem – und tragen somit zur Verkümmerung der Zellen bei.
  • Zum anderen weisen auch bestimmte Blutgefäße im Gehirn Verstopfungen durch verklumpte Proteine auf. Sie verhindern eine optimale Versorgung der Nervenzellen mit dringend benötigten Nährstoffen und Sauerstoff.

Aber wie kann es dazu kommen? Einige Risikofaktoren für diese Entwicklungen haben sich bei Alzheimer inzwischen herauskristallisiert.

 

Ist Alzheimer vererbbar? ApoE4 und andere bekannte Risikofaktoren

Zwar liegt der genaue Entstehungsmechanismus von Alzheimer teilweise noch im Dunkeln, doch scheint ein Zusammenspiel verschiedener Einflüsse als Ursachen wahrscheinlich:
Verantwortlich scheinen in erster Linie zwei Prozesse zu sein:

  • Alter
    Der bei weitem wichtigste Risikofaktor ist ein hohes Lebensalter. Je älter ein Mensch wird, desto mehr steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es im Gehirn zu den oben beschriebenen Prozessen kommt.
  • Gene
    Häufen sich die Alzheimer-Fälle in der Familie, liegt außerdem eine genetische Veranlagung für die Krankheit nahe. Mittels eines speziellen Gentests können Mediziner hier Klarheit schaffen. Sie prüfen die Erbanlagen auf familiär bedingte Veränderungen – die jedoch vergleichsweise selten vorliegen. Alzheimer ist nur in sehr wenigen Fällen tatsächlich vererbbar.
    Weitaus häufiger treten dagegen „spontane“ Mutationen der Gene auf, die der Alzheimer-Gentest zwar aufdecken kann, die aber nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Krankheit führen müssen. Bekanntestes Beispiel ist das ApoE4-Gen. Liegt diese Genvariante vor, kann dies sowohl Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel haben als auch mit einem bis zu zweifach erhöhten Alzheimer-Risiko einhergehen.1 Aber nochmals: Ein Nachweis von ApoE4 bedeutet keineswegs, dass es sicher zu Alzheimer kommt.
  • Begleiterkrankungen
    Auch bei Menschen mit Depressionen und/oder Krankheiten, die das Herz-Kreislauf-System betreffen, kann die Gefahr für Alzheimer steigen. Insbesondere bei Diabetes, einem hohen Cholesterinspiegel, Bluthochdruck sowie Arteriosklerose sollten Sie und Ihr behandelnder Arzt die Möglichkeit einer späteren Demenz in Betracht ziehen.

Darüber hinaus erhöhen auch schwere Kopfverletzungen die Wahrscheinlichkeit, im späteren Leben an Alzheimer zu erkranken. Von einigen anderen Faktoren ist dagegen inzwischen bekannt, dass sie nicht zum Ausbruch beitragen. Dazu gehören zum Beispiel Infektionen, sexuell übertragbare Erkrankungen sowie Über- oder Unterforderung des Gehirns.

Gegen Alzheimer-Risikofaktoren vorgehen

Zwar lässt sich gegen Einflüsse wie das ApoE4-Gen aktuell noch nichts unternehmen, selbst wenn sie mittels eines speziellen Alzheimer-Gentests ermittelt wurden – doch stehen Sie der Krankheit dennoch nicht völlig machtlos gegenüber. Achten Sie im Rahmen der Prävention beispielsweise auf:

  • eine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil
  • den Verzicht auf Genussmittel wie Nikotin und Alkohol
  • ausreichend Schlaf
  • geistige „Beweglichkeit“ (zum Beispiel durch Rätsel)
  • körperliche Aktivität
  • soziale Kontakte

Zudem kann es lohnen, den aktuellen Stand der Forschung im Blick zu behalten. Immer wieder werden neue Entdeckungen gemacht, die nicht nur bei der Behandlung akuter Beschwerden unterstützen, sondern beispielsweise auch bei der Vorbeugung.

  1. Finckh, Ulrich: Genetische Faktoren bei Alzheimer-Demenz. URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/51035#lit(03.01.2019).